Was ist ein Lieferantenkredit?

Was ist ein Lieferantenkredit?
Bild: Pixabay (CC0) / mohamed_hassan
Folgende verwandte Fragen werden ebenfalls beantwortet:
  • Lieferantenkredit - was ist das?
  • Welche weitere Bezeichnungen für einen Lieferantenkredit sind gängig?
  • Worin besteht die Verzinsung eines Lieferantenkredits?
  • Was ist ein langfristiger Lieferantenkredit?
Schnelle Antwort für eilige Leser:
Ein Lieferantenkredit ergibt sich aus dem Zahlungsziel, welches der Lieferant dem Käufer unter Umständen beim Kauf auf Rechnung gewährt. Ein Lieferantenkredit ist nur dann kostenlos bzw. zinsfrei, wenn kein Skonto angeboten wird.

Der Lieferantenkredit ist ein betriebswirtschaftlicher Begriff.

Zu Stande kommt ein solcher Kredit, wenn der Lieferant den Kauf per Rechnung mit entsprechender Zahlungsfrist anbietet.

Wird die Ware sofort bezahlt (in bar), entsteht kein Lieferantenkredit.

Sofern die Inanspruchnahme eines Lieferantenkredits mit dem Verzicht auf ein Skonto einhergeht, findet eine Verzinsung statt. Der Kredit ist dann nicht kostenlos.

Lieferantenkredite gelten in dem Fall als teure Kreditform.

Was ist eigentlich ein Lieferantenkredit?

Lieferantenkredit einfach erklärt

Das Rechtsgeschäft bei einem Kauf begründet sich grundsätzlich aus Leistung (z.B. Lieferung der Ware) und Gegenleistung (Bezahlung) .

Verbreitet ist die sogenannte Zug-um-Zug-Leistung. Der Lieferant hat seine Leistung erbracht, also ist der Käufer zur Zahlung des Kaufpreises verpflichtet.

Denkbar ist auch: Der Käufer zahlt per Vorkasse, der Lieferant liefert anschließend.

Zahlungsmodalitäten können Vertragsparteien weitestgehend frei gestalten – einzelvertraglich oder mittels AGB.

Bietet der Lieferant den Kauf auf Rechnung an und räumt dem Käufer ein Zahlungsziel (z.B. binnen 30 Tagen nach Erhalt der Ware) ein, so wird von einem Lieferantenkredit gesprochen.

Der Käufer erhält eine sofortigen Liquiditätsvorteil, da die Zahlung in die Zukunft verschoben wird – das ist die Grundfunktion eines Kredits.

Von einem Lieferantenkredit spricht man ausschließlich bei Rechtsgeschäften zwischen Unternehmern.

Kauft ein Konsument bei einem Händler ein und bekommt ein Zahlungsziel eingeräumt, spricht man stattdessen von einer Zahlungspause.

Welche weiteren Bezeichnungen sind üblich?

  • Händlerkredit
  • Warenkredit
  • Lieferkredit

Worin besteht die Verzinsung eines Lieferantenkredits?

In den einigen Fällen ist ein Lieferantenkredit zinsfrei und somit kostenlos.

Sofern gemeinsam mit einem erweiterten Zahlungsziel auch ein Skonto angeboten wird, kommt es jedoch zu einer Verzinsung.

Ein Beispiel dafür wären folgende Zahlungsmodalitäten eines Verkäufers:

zahlbar binen 7 Tagen mit 2% Skonto oder binnen 30 Tagen netto

Entscheidet sich der Käufer den Lieferantenkredit auszuschöpfen, verzichtet er im Gegensatz auf das mögliche Skonto.

In diesem Fall wird von einer Verzinsung des Lieferantenkredits gesprochen.

Wie folgt kann die Verzinsung berechnet werden:

Zinssatz Lieferantenkredit berechnen

Bild: Eigene Darstellung – Berechnung Verzinsung Lieferantenkredit (Formel)

Bezogen auf obige beispielhafte Zahlungsmodalitäten ergibt sich damit ein Zinssatz von 31,3%.

Aufgrund der regelmäßig hohen Verzinsung gilt der Lieferantenkredit als teuer, sofern andernfalls ein Skonto in Anspruch genommen werden kann.

Wird ein Skonto nicht angeboten, gilt der Lieferantenkredit als kostenlos.

Was ist ein langfristiger Lieferantenkredit?

Übliche Zahlungsziele bzw. Zahlungsfristen sind z.B.:

  • 14 Tage
  • 30 Tage

Mehrheitlich werden Zahlungsfristen, die einen Zeitraum von 30 Tagen überschreiten, als langfristiger Lieferantenkredit bezeichnet.

Ferner variieren die üblichen Zahlungsziele je nach Branche.

Die Gewährung von einem langfristigen Lieferantenkredit kann eine vertriebspolitische Maßnahme des liefernden Unternehmens darstellen.

Großzüge Zahlungsfristen können der Kundenakquise bzw. dem Aufbau langfristiger Geschäftsbeziehungen dienen.

Lieferantenkredite aus Sicht des Lieferanten

Der Verkauf auf Rechnung ist seitens des Lieferanten meist mit einem Eigentumsvorbehalt besichert.

Durch den Eigentumsvorbehalt besteht jedoch nur eine geringe Sicherheit für den Lieferanten.

Im Falle eines Zahlungsausfall greift zwar grundsätzlich der Eigentumsvorbehalt.

Jedoch unterliegen die meisten Waren einem sofortigen Wertverlust ab Auslieferung. Auch die Abholung beim Kunden ist nicht immer möglich – dieser kann die Ware schließlich weiterverkaufen oder weiterverarbeiten.

Zwar erstreckt sich der Eigentumsvorbehalt regelmäßig auch auf etwaige Forderungen aus Weiterverkäufen bzw. bedeutet ein anteiliges Eigentum an weiterverarbeiteten Produkt. Jedoch sind solche Ansprüche in der Praxis oftmals schwierig durchzusetzen.

Nicht selten bieten Lieferanten den Kauf auf Rechnung mit Zahlungsziel (und damit einen Lieferantenkredit) erst nach einigen problemlos abgewickelten Geschäften an.

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Diese Antwort haben wir zuletzt am 31. März 2018 aktualisiert.

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